Unser Chorleiter: Philipp Plaga

Philipp Plaga

Jahrgang: 1994

Wohnort: Konstanz

Ausbildung/Beruf: Student auf Lehramt: Musik, Mathe, Geschichte

Familie: ledig, keine Kinder

Hobbies: Klavier spielen, Singen, Komponieren, Fahrrad, Tischtennis

Bild: Peter Abegglen

Das folgenden Interview ist im Gemeindeblatt Speicher vom Februar 2019 erschienen.

 

Vor rund drei Monaten wurde Philipp Plaga als Chorleiter des kurz zuvor gegründeten «Chor Speicher Trogen» gewählt. Den ersten Auftritt hatte der Chor mit seinem Dirigenten bereits am Neujahrsapéro der Gemeinde Speicher. Mit Chorleiter Philipp Plaga sprach Peter Abegglen.

 

Wie kamen Sie dazu, sich für diese Stelle zu bewerben? Das Appenzellerland liegt ja nicht gerade vor Ihrer Haustüre. Was reizt Sie an der Leitung eines Chors in der Schweiz?

Als ich nach Konstanz zum Studieren kam, habe ich mich in der Umgebung nach einem Chor umgeguckt. So war auch die Schweiz dabei, und der Chor Speicher-Trogen war der Chor, der zum Zeitpunkt meiner Bewerbung am nächsten von Konstanz war.

 

Der Chor Speicher Trogen setzt sich aus Personen zusammen, die die Freude am Singen eint. Wie gehen Sie auf diese Voraussetzung ein? (Freude am Singen kann ja auch heissen, dass die Fähigkeiten sehr unterschiedlich sind.)

Freude am Singen zu haben ist sehr wichtig, und ich freue mich sehr, dass die Chorsänger motiviert sind und Spass am Singen haben, das merke ich. Das wirkt sich auch positiv auf die Gruppendynamik aus. Das ermöglicht, besonders im musikalischen Bereich eines Chorliedes, viel herauszuholen und ein Ergebnis zu erzielen, das alle Chorsänger erfreut. Natürlich sind manche Sängerinnen und Sänger stimmtechnisch sicherer als andere, aber das ist hier nicht entscheidend, der Gesamtklang des Chores steht im Vordergrund.

 

Das Appenzellerland hat eine sehr reiche und auch typische Lieder- und Gesangstradition. Viele ältere Personen kennen eine Vielzahl solcher Volkslieder und können problemlos mitsingen, wenn sie angestimmt werden. Soeben ist, auch deshalb, ein neues Appenzeller Liederbuch erschienen. Welchen Stellenwert hat das appenzellische Liedergut in Ihrem «Programm»?

Persönlich bin ich sehr interessiert an diesen Liedern, da ich noch nicht viele Appenzeller Volkslieder kenne. Daher schaue ich, dass die Chorsängerinnen und Sänger mir die besten Lieder empfehlen können. Das «Appenzeller Landsgemeindelied» war das erste, das mir direkt empfohlen wurde, das werden wir auch demnächst singen. Die neue Ausgabe des Appenzeller Liederbuchs werde ich mir auf jeden Fall anschaffen. Es ist auch schön, bei Auftritten des Chores zu sehen, dass das Publikum mit einbezogen werden kann, besonders wenn man Lieder anspricht, die bekannt sind.

Aus welcher «Ecke» Deutschlands kommen Sie? Ich stelle die Frage wegen der Kommunikation. Schweizer Dialekt ist ja nicht unbedingt für jedermann aus Deutschland leicht verständlich (wie auch umgekehrt!). Kennen Sie bereits Dialektausdrücke, die Ihnen in dieser kurzen Zeit geläufig geworden sind?

Geboren bin ich aus Berlin und mit 10 Jahren nach Baden-Württemberg in den Süden gezogen. Schwierigkeiten, den Schweizer Dialekt zu verstehen, habe ich schon, kann aber einiges schon verstehen und frage einfach nach, wenn ich etwas nicht verstehe. Das ging mir in Baden-Württemberg genauso. Umgekehrt bemühe ich mich, ohne Dialekt zu sprechen, auch wenn mir ab und zu das Berliner «j» rausrutscht. Konkrete Dialektausdrücke konnte ich mir bis jetzt noch nicht merken, durfte aber erfahren, auch geschmacklich, was ein Appenzeller Biber ist.

 

Welches sind Ihre (nächsten) Ziele, die Sie in Ihrer Arbeit mit dem Chor erreichen wollen? Gibt es bestimmte Richtungen, die Sie schwergewichtig pflegen möchten?

Unser erstes Ziel wird es sein, ein breites Repertoire mit verschiedenen Stilrichtungen aufzubauen. Dabei möchte ich besonders auf die klassische Chorliteratur der Romantiker Mendelssohn oder Brahms, die ich sehr mag, eingehen. Mir ist es auch wichtig, in verschiedenen Sprachen zu singen. So gibt es zahlreiche englisch-sprachige Literatur, die wirklich sehr schön ist, auch in der Popmusik. Daneben möchte ich die Volkslieder, auch die Appenzeller, pflegen. Wir freuen uns über viele Gelegenheiten, Auftritte zu haben, auch im kleineren Rahmen, in Gottesdiensten, bis wir dann schliesslich ein grosses Konzert geben. 

 

Welche Eindrücke nehmen Sie aus den ersten Wochen mit den Proben und dem ersten Auftritt mit? Welche Wünsche haben Sie an den Chor und an die Bevölkerung?

Die Chorsängerinnen und Sänger haben schon beim ersten Auftritt schön gesungen. Ich habe gemerkt, dass alle mit dabei waren und Freude hatten. Bei den Proben freue ich mich, dass alle immer motiviert sind. Das ist mir sehr wichtig. Mit der gesungenen Literatur wünsche ich mir, dass es allen Spass macht. Auch Stücke, die einem nicht immer gefallen, sollten mitgetragen werden. Besonders verleiht der Chorsatz jedem Lied einen besonderen Touch, sei es rhythmisch oder melodisch, welcher unabhängig vom eigentlichen Liedtitel agiert. So ist nicht nur der Titel oder das Lied-Original entscheidend, ob es einem gefällt, sondern ebenfalls der Chorsatz. Bei Auftritten wünsche ich mir, dass wir dem Publikum Freude bereiten können. Besonderen Stellenwert lege ich dabei auch auf die Qualität. Mein Wunsch ist, dass das Publikum die Mühe der Sängerinnen und Sängern anerkennt und wertschätzt. Das geht am besten, wenn unsere gesungene Musik wirklich gefällt und beeindruckt. Bei positiver Resonanz des Publikums freuen wir uns natürlich auch, denn das motiviert!

 

Gibt es Unterschiede in der Leitung eines Chors in Deutschland und der Schweiz?

Unterschiede gibt es keine, tatsächlich nur die Unterschiede des sprachlichen Dialekts. Die Probenarbeit ist prinzipiell gleich; wir üben zusammen Lieder ein, diese führen wir dann bei Auftritten auf.

Verraten Sie uns, welche Musik Sie hören, wenn Sie einfach Musik hören wollen?

Sehr gerne höre ich Klaviermusik. Es kann ein bestimmter Komponist sein, dessen bestimmtes Stück mich besonders reizt. Das kann ich dann monatelang anhören und kriege es nicht mehr aus dem Kopf. Es gibt immer vereinzelte Stellen im Stück, die mich besonders ansprechen und mich sogar laut mitsingen lassen. Die Menschen in meinem Umfeld, die mich dabei beobachten, denken vielleicht, ich sei verrückt. Solche Stellen in einem Stück höre ich mir sogar viele Male hintereinander an, ohne das gesamte Stück zu hören, nur diese eine Stelle. Seit längerer Zeit beeindruckt mich die Musik von Ravel, seit kurzem auch Rachmaninoff. So gibt es immer Phasen, in denen ich einen bestimmten Komponisten besonders gerne höre. Mich interessiert aber nicht nur die Klaviermusik, sondern auch alles andere darüber hinaus, wie z.B. Orchester-, Chorwerke und was es sonst noch so gibt, aber auch Popsongs, die ich gerne höre und ab und zu auch singe.

 

Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg und Freude bei Ihrer Arbeit.